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Gestalt-Dialektik
 
Canticum Poeticum   -->   Philosophicum   -   Linguisticum   -   Alphabeticum   -   Paedagogicum
 
Abstract - Abstrakt
Mission Statement

 
Introduction to G-D
 
Der dialektische Ansatz
("The Dialectical Approach" in German)

 
Thesis-Antithesis-
Synthesis

 
Vygotskyan
Factual Knowledge

 

 
Quadraturbedingung
Quadraturbedingung der Cheopspyramide
(in German)

 
Contact:
Gustavo Vieyra
Teacher (LAUSD)
75th St. Elem. School
142 W. 75th Str.
L.A. CA 90003
 
Gestaltdialektik@hotmail.com
 
Dresden, Germany ©Vieyra: November 23, 2006

Der Dialektische Ansatz der Sprachentwicklung in Bezug auf Schriftspracherwerb

Gustavo Vieyra

        Der dialektische Ansatz bzw. der dialektische Sprung bedeutet die Transformation der psychischen Funktionen des Kindes, also ein Phänomen, das man durch die Sprachentwicklung wohl verstehen könnte. Nach Vygotsky z.B. gehören die praktische Intelligenz und die Sprache zu einem dialektischen Prozess, der fundamentale neue Verhaltensweisen verursacht:

 

The most significant moment in the course of intellectual development, which gives birth to the purely human forms of practical and abstract intelligence, occurs when speech and practical activity, two previously completely independent lines of development, converge.

Vygotsky, 1978, S. 24
 

        Nach Vygotsky setzt die praktische und abstrakte Intelligenz die Konvergenz der Sprache und das praktische Handeln voraus. Wenn diese vorher unabhängigen Systeme im Frühalter sich jetzt in einem dialektischen Vorgang zusammenfügen, dann fängt das Kind an, unter mehreren Dimensionen des Raum- und Zeitkontinuums die Wirklichkeit anders zu apperzipieren. Ab diesem Zeitpunkt entsteht eine fundamentale neue Transformation des Bewusstseins. Das Kind ist nicht mehr auf das Wahrnehmungsfeld direkt angewiesen und verfügt nicht nur über die praktischen Werkzeuge des täglichen Lebens als Mittel zu einem bestimmten Ziel, sondern auch über ein abstrahierendes Vermögen durch sprachliche Zeichen, um das Leben aus der Perspektive der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sich vorzustellen. Ab dem zweiten Lebensjahr ist das Kind in der Lage, gedanklich Umwege zu machen, damit es irgendein Ziel erreichen kann.

        Ob diese Interpretation der Dialektik Vygotskys zutrifft oder nicht, die Tatsache besteht doch darin, dass das Kind sich durch die Internalisierung bestimmter kultureller Systeme (z.B. eines bestimmten Zahlensystems, einer zweiten Sprache, Musik, usw.) transformieren kann. Nach Vygotsky entspricht die Internalisierung irgendeines kulturellen Systems die Transformation der Psyche eines Kindes. Nachdem sich das Kind z.B. das Erstlesen und -schreiben angeeignet hat, ist es nicht mehr dasselbe Wesen wie vorher. Lesen und Schreiben zu lernen entspricht einer Weltoffenbarung, einer brillanten und neuen Weltanschauung. Genauso wird der Geist des zweijährigen Kindes transformiert wenn die Sprache und die abstrakte Intelligenz konvergieren. Ab dem Punkt, an dem das Kind in der Lage ist, die Sprache als Kommunikationsmedium zu benutzen, wird es die Welt aus einer höheren psychischen Perspektive interpretieren.

        Wenn also das Kind in der Lage ist, die Sprache als Kommunikationsmedium zu benutzen, dann kann man auch behaupten, dass es einen dialektischen Sprung geschafft hat. Den dialektischen Sprung kann man als die psychische Transformation eines Menschen definieren. Im Leben gibt es bestimmte Phasen, in denen solche Transformationen zu beobachten sind, wie etwa bei der Explosion des Schreibens, die Maria Montessori als eine bestimmte Sensitivität der Sprachentwicklung beschrieben hat. Demnach sollte z.B. das Erstlesen und -schreiben im Vorschulalter optimal gefördert werden. Diese Explosion des Schreibens entspricht auch einem dialektischen Sprung, weil sich das Kind ein neues Medium der Kommunikation erschlossen hat. Dies verändert sein psychisches Leben fundamental:

 

In unsere ersten Schulen kamen die Kinder mit drei Jahren; niemand konnte sie unterrichten, da sie noch nicht aufnahmefähig waren; dafür gewährten sie uns jedoch außerordentliche Offenbarungen über die Größe des menschlichen Geistes. Unsere Bildungsstätten sind mehr ein "Haus des Kindes" als Schulen im eigentlichen Sinne des Wortes; das heißt, es ist eine für das Kind besonders vorbereite Umgebung, in der es alles Kultur, die die Umgebung ausstrahlt, aufnimmt, ohne Unterricht zu benötigen. Die Kinder aus den ersten Schulen stammten aus den niedrigsten Volksschichten, und ihre Eltern waren Analphabeten. Und trotzdem konnten die Kinder mit fünf Jahren lesen und schreiben, ohne daß es sie jemand direkt gelehrt hätte.

Maria Montessori, 1972, S. 5
 

Das Kind interessiert sich vor allem für Dinge, die es bereits kennt, da es sie in der vorhergehenden Periode absorbiert hat, und darauf konzentriert es sich am besten. So hängt zum Beispiel die Explosion des Schreibens von der besonderen Sensitivität ab, die es sich während der Periode der Sprachentwicklung angeeignet hat. Da diese Sensitivität zwischen fünfeinhalb und sechs Jahren aufhört, ist es klar, daß das Schreiben mit Freude und Begeisterung nur vor diesem Alter erlernt werden kann, während Kinder von sechs oder sieben Jahren kein Interesse dafür zeigen. Andere Beobachtungen dieser spontanen Äußerung des Kindes offenbaren uns, daß die Schreibexplosion nicht nur von der Tatsache abhing, daß sich die Kinder in der sensitiven Sprachperiode befanden, sondern auch davon, daß ihre Hände durch vorhergehende Übungen vorbereitet waren (die genaue Handhabung des Materials zur Erziehung der Sinne). Und somit wurde das Prinzip der "indirekten Vorbereitung" als wesentlicher Teil in unserer Methode angewandt. Eine solche Basis entspricht dem Vorgehen der Natur. Diese bereitet in der Tat die Organe im Embryo vor, sie erteilt keine Befehle (Impulse), bevor das Individuum nicht die entsprechenden Organe entwickelt hat.

Maria Montessori, 1972, S. 154


Im Bereich des Schriftspracherwerbs als eine besondere Phase gibt es spezifische Faktoren, die man unbedingt berücksichtigen muss, damit das Kind tatsächlich diesen dialektischen Sprung schaffen kann:

  1. Wenn ein Kind nicht sprechen kann, kann es auch nicht Lesen und Schreiben lernen. Man kann das lesen, was man sprechen kann! Das Lesenkönnen hängt von der Spracheentwicklung ab.
  2. Die Sprachentwicklung kann am besten durch eine spezielle Poetik gefördert werden. Poetisch sind alle Dinge, die das Kind inspirieren und zwar auf Grund von ästhetischen sowie affektiven Motiven und Momenten. Am besten sind die Musik und die Dichtung als Medien geeignet, um Kinder zu inspirieren. Wenn die Kinder poetisch oder musikalisch agieren, weil es ihnen riesigen Spaß macht, dann ist die Didaktik auf dem richtigen Weg, eine neue Methode zu etablieren. Lesen- oder Schreibenlernen entwickeln sich als ein Transformationsprozess der Poetik und nicht als "drill and kill" von bestimmten Fertigkeiten des Schriftspracherwerbs: etwa die "Einführung von eins-zu-eins Graphem-Phonem-Korrespondenzen (der Buchstabe "f" lautet /f/ und wird in diesen oder jenen Wörtern gefunden, usw.)
  3. Eine sokratisch orientierte Dialektik ist das beste Medium, um akademische Prozesse zu fördern. Sokratisch heißt nämlich, den sprachlichen Dialog zu fördern und im diesem Sinn ist die Schriftsprache nicht primär, sondern ein sekundäres Produkt von Transformationsprozessen, die mit der Internalisierung von bestimmten poetischen und musikalischen Systemen zu tun hat. Transzendental ist z.B. die mündliche Sprache und alle Prozesse, die die sprachliche Entwicklung fördern.

Die Macht des Willens als ein Dialektischer Sprung

        Ein Kind sollte nicht etwas lernen, nur weil der Lehrer es will. Tief in der Seele eines Kindes ist der Wille etwas mitzuteilen: es will gehört werden, es will mit anderen Menschen sprechen und sich mit ihnen auseinandersetzen. Wenn ein Kind ein Liedchen oder ein Gedicht lernt, weil es vor einer Gruppe von Menschen singen oder rezitieren möchte, dann wird das Kind in der Lage sein, das Beste zu geben. Das ist schon ein dialektischer Sprung im Gegensatz zu Kindern, die nicht singen oder rezitieren können oder wollen.

        Je mehr Lieder und Gedichte das Kind auswendig lernt (besonders im Vorschulalter), desto größer werden seine Sprachpotenz und seine Sprachdominanz. Es fängt an kreativer zu sein, weil es sich die Syntax der Poetik (Musik und Dichtung in diesem Zusammenhang) angeeignet hat. Lieder und Gedichte auswendig zu lernen heißt auch, die entsprechende Syntax zu beherrschen. Das, was ein Kind z.B. singen oder rezitieren kann, kann es auch entsprechend auf syntaktischen, morphologischen und semantischen Ebenen beherrschen.

Verbindung von Seele und Sprache als einer Neo-Cartesianische Ansatz

        Die Beförderung der mündlichen Sprache hat eine direkte Verbindung mit der Seele eines Menschen. Ein Mensch "ist" nicht nur "weil es denkt", wie René Descartes gemeint hat, sondern weil er mit anderen Menschen sprechen kann und will und zwar im sokratischen Sinn. Darum wird die cartesianische These in der Gestalt-Dialektik anders dargestellt:

"Ich denke und ich spreche und darum bin ich!"

        Die Kinder im Klassenzimmer wollen sprechen, aber in einem Klassenzimmer-Verhältnis von 30:1, oder sogar bei 20:1 (dreißig oder zwanzig Kinder für einen Lehrer) ist das individuelle Kind nicht mehr sprachlich und psychisch zu betreuen und entsprechend zu fördern. Bei solchen großen Gruppen werden alle Kinder nicht mehr in der Lage sein, ihre Gefühle gegenüber dem Lehrer mitzuteilen. Der Lehrer hat nicht genug Zeit, um jedes einzelne Kind hören zu können. Die Kinder müssen unbedingt sich mit der Hand melden damit sie was sagen können. Sie dürfen also nur dann sprechen wenn der Lehrer will (was Ordnung und Disziplin bringen soll) und nicht wenn sie es nötig haben.

        Bei großen Gruppen gibt es sozusagen eine diktatorische Tendenz: was der Lehrer sagt entspricht einer gewissen Gültigkeit. Der Dialog steht nicht im Vordergrund, sondern die Behauptungen des Lehrers. Das heißt, dass die Schüler nicht genügend Zeit zur Verfügung haben, um in Frage zu stellen, was der Lehrer über dieses oder jenes Thema behauptet hat. In solchen Situationen gibt es keine dialogische Auseinandersetzung. Nur was der Lehrer sagt ist am Ende genommen gültig und damit entsteht nur eine geringste Möglichkeit, den Gedanken und Gefühlen des individuellen Kindes gerecht zu werden. Der Lehrer ist sozusagen der Eigentümer der Logik, weil die Kinder nicht genügend Zeit haben, sich mit ihren Meinungen, Gedanken, Hypothesen und Gefühlen auseinander zu setzen. Die lebendige Sprache im Klassenzimmer wird vernachlässigt. Nicht das gesprochene Wort als allgemeines Kulturgut hat eine transzendentale Gültigkeit, sondern was der Lehrer sagt, oder was geschrieben wird.

        Darum gibt es kaum Zeit, um Gefühle und Gedanken zu tauschen oder um sich sprachlich bei einem Thema auseinander zu setzen. Die mündliche Sprache und das individuelle Kind werden vernachlässigt. Es wäre aber ein dialektischer Sprung, wenn das Kind etwas unabhängig vom Lehrer tun würde, um zu zeigen, was es auf musikalischen oder dialogischen Ebenen schaffen kann. In der Gestalt-Dialektik wird auf jeden Fall behauptet, dass die psychische Entwicklung am besten in kleinen Gruppen gefördert wird, besonders aber, wenn ein Kind sich intensiv mit der Dichtung und Musik auseinander setzen darf. Dazu braucht das Kind ein soziales Milieu, das erstrangige Werte auf Poesie und Musik ansetzt, was wiederum die Individualität und Kreativität des Kindes fördert.

        Nun mit kleinen Gruppen mit einem Verhältnis von 7:1 ist eine sprachliche und individuelle Dialektik möglich, damit das Kind sich optimal entwickeln kann. Ohne bestimmte kulturelle Voraussetzungen (z.B. die Individualität und die Kreativität des Kindes in kleinen Gruppen und die Sensibilität im Vorschulalter für spezielle Förderungen wie etwa die frühe musikalische Erziehung und der Fremdspracherwerb) wird der Schriftspracherwerb nicht mehr optimal. Um den dialektischen Sprung um das Erstlesen und -schreiben zu schaffen, braucht die Gesellschaft eine neue Aufklärung, um alle Voraussetzungen zur Verfügung zu stellen.

Das Phonologische Bewusstsein als ein Relativ Dialektischer Sprung

        Das phonologische Bewusstsein ist die Fähigkeit zu apperzipieren, dass ein gesprochenes Wort aus einer Sequenz von individuellen Lauten besteht (Ball, E.W. & Blachman, B.A. 1991). Unter dieser Hypothese setzt das Erstlesen und -schreiben die Beherrschung von Phonemen voraus. Nach der Gestalt-Dialektik ist das phonologische Bewusstsein eine relative primäre Sache, aber nicht unbedingt eine absolute Voraussetzung. Damit wird behauptet, dass ein begabtes drei-jähriges Kind z.B. in der Lage ist, lesen und schreiben zu lernen mit oder ohne eine bewusste und willkürliche Manipulierung der Phoneme. Mit dem phonologischen Bewusstsein wird in der Forschung allgemein damit impliziert, dass ein Kind die Phoneme als Variablen kontrollieren soll. Das Kind sieht z.B. irgendein Wort, wie etwa. "Katze" und ist in der Lage, die "Koartikulation" der Phoneme innerhalb einer Silbe zu differenzieren. Bei der Silbe "ka" z.B. weißt das Kind automatisch bescheid, dass diese Silbe aus /k/ und /a/ besteht. Das ist wichtig, aber nicht absolut transzendental!

        Eine bewusste Manipulation der entsprechenden Phoneme mag eine Voraussetzung des Erstlesens und -schreibens sein, aber nicht im absoluten Sinn. Wichtig ist die Beherrschung der mündlichen Sprache als eine transzendentale Voraussetzung, auch wenn Fälle existieren, in denen einige Kinder in der Lage sind, lesen und schreiben zu lernen obwohl sie noch nicht richtig oder normal sprechen können. Bei diesen Kindern mag die mündliche Entwicklung nicht in Ordnung sein, aber das bedeutet nicht, dass ihre Kognitionsentwicklung retardiert ist. Mit einer bestimmten Kognitionsentwicklung werden einige Kinder trotzdem in der Lage sein, akademische Fähigkeiten und Fertigkeiten zu schaffen, die auch mit Lesen und Schreiben zu tun haben. Ja, ein Kind könnte z.B. nicht richtig sprechen, aber das Kind mag trotzdem kognitiv so fähig sein, um Wörter zu dekodieren und entsprechend vernünftig besonders auf technische Aufgaben zu reagieren.

 

Wie wird phonemisches Wissen erworben?
 
Kindergartenkinder, vor allem Vorschulkinder, können schon recht gut Wörter in Silben untergliedern. Dagegen bereitet die Gliederung von Wörtern in Phoneme große Mühe; die vollständige Analyse auch von Wörtern mit nur 3 Phonemen kann im Vorschulalter ohne spezielles Training noch nicht geleistet werden. Der Grund für diese Schwierigkeit liegt im Fehlen eindeutiger akustischer Signale zwischen den Phonemen: Die Laute innerhalb einer Silbe sind durch Koartikulation miteinander verwoben, so daß ihre Segmentierung eine eher kognitive als sensorische Analyse erfordert.

Scheerer-Neumann, Grundschule, 43 (1996) 5, S.2
 

        Nach Scheerer-Neumann gibt es Kinder, die einfach nicht "hören", dass dem [b] in "Blume" ein [l] folgt oder den Anfangslaut von "Giraffe" konsequent mit [k] angeben. Darum sollte man z.B. eine Phonemanalyse auf Silbenebene einführen. Dazu ist der Ausgang vom Schriftbild vernünftig, weil eine graphematische Stützung der phonologischen Analyse ein guter Ansatz sein soll. Damit wird behauptet, dass die Bedeutung der phonologischen Bewußtheit für den Schriftspracherwerb unumstritten ist. Darum werden in entsprechenden Fibellehrgängen und in anderen didaktischen Materialien Übungen zur Laut(Phonem)Analyse angeboten. Am Ende genommen korreliert die Fähigkeit, die mündliche Sprache in lautliche Elemente zu gliedern mit dem Schriftspracherwerb.

        Nach der heutigen Forschung mag das phonologische Bewusstsein unumstritten sein. Dazu kann man z.B. auch behaupten, dass eine logographische Phase vorausgesetzt wird, um in der Lage zu sein, die alphabetische Eigenschaft der Schrift internalisieren und generalisieren zu können. Nach Scheerer-Neumann z.B. ist die Phonemanalyse eine Fähigkeit, die nach der allgemeinen These nur durch Training erworben werden kann, und zwar auf der Basis der gesprochenen Sprache durch ein rein mündliches Training im Vorschulalter. Bei einer weniger bekannten These (etwa beim Ansatz von Reichen, "Lesen durch Schreiben) wird behauptet, dass der Erwerb der Phonemanalyse zusammen mit dem Schrifterwerb erreicht werden kann. Die Kinder internalisieren die Phoneme interaktiv in ihrer Korrespondenz zu Graphemen als sie schreiben lernen (auch mit bekannten orthographischen und phonologischen Abweichungen, die nicht als Fehler zu betrachten sind).

        Nach der Gestalt-Dialektik ist es sinnvoll, das phonologische Bewusstsein zu fördern, aber nicht als eine exklusive Voraussetzung. Man soll die Forschung nicht allein an das phonologische Bewusstsein fokussieren, sondern eher an eine allumfassende bzw. ganzheitliche pädagogische Philosophie. Ja, man kann z.B. behaupten, dass das phonologische Bewusstsein unumstritten ist, aber das impliziert nicht eine isolierte Fokussierung von phonologischen Bewusstheitsprozessen zu betrachten. Die beste Strategie besteht darin, eine Dialektik zwischen phonologischen Bewusstsein und sprachlicher Entwicklung zu fördern. Wir brauchen ein neues Paradigma im Prozess des Erstlesens und -schreibens. Das neue Postulat besteht darin, sowohl das phonologische Bewusstsein wie auch die mündliche Sprache interaktiv und simultan zu entwickeln.

        Nach dem neuen Paradigma agiert die mündliche Sprachentwicklung als die Sprachpotenz, um das phonologische Bewusstsein zu verwirklichen. Ein Kind, dessen Sprachentwicklung normal ist, kann auch das phonologische Bewusstsein beherrschen. Durch einen dialektischen Vorgang, wird der Schriftspracherwerb am besten gefördert. Auf praktischen Ebenen gehört die frühe musikalische Erziehung und eine spezielle Poetik (das so genannte poetisch-musikalische Kontinuum) zum primären Ansatz, um die sprachliche Entwickeln fördern zu können. Zur Poetik gehört auch eine gewisse Ästhetik, also eine bestimmte poetische und musikalische Orientierung des phonologischen Bewusstseins. Das Training nach der Gestalt-Dialektik besteht also darin, phonematische Übungen zu realisieren, die auf poetischen Ebenen stattfinden können. Damit haben wir zunächst ein dialektisches Vierreck:

Förderung des Schriftsprachenerwerbs

        Dieses dialektische Viereck ist ein praktischer Ansatz nicht nur um den Schriftspracherwerb weiter zu fördern, sondern auch, um alle vier Faktoren desselben Paradigmas gleichzeitig zu entwickeln. Mit genau demselben dialektischen Vorgang wird der Fremdspracherwerb weiter entwickelt:

Förderung des Fremdsprachenerwerbs

        Eine paradigmatische Dialektik bedeutet, alle mitwirkenden Faktoren ganzheitlich zu betrachten und zu fördern. Wenn man zum Beispiel das phonologische Bewusstsein fördert, wird nicht nur der Schriftspracherwerb unmittelbar gefördert, sondern auch die zwei anderen Faktoren, nämlich die Poetik (im Sinne des poetisch-musikalischen Kontinuum) und die Sprachentwicklung. Dasselbe passiert bei der Förderung des Fremdspracherwerbs. Wenn die Kinder z.B. Spanisch als zweite Muttersprache beherrschen, werden sie damit auch in der Lage sein, ein größeres Repertoire an phonologischen, sprachlichen und poetischen Fähigkeiten zu erwerben und zwar in der ersten wie auch in der zweiten Muttersprache.

Erstlesen und -schreiben nach dem Gestalt-Dialektik-Ansatz

        Bei dem Gestalt-Dialektik-Ansatz wird dann darauf gezielt, holistische Methoden der Grundschuldidaktik zu entwickeln wie etwa beim Erstlesen und -schreiben für vier- fünf- und sechsjährige Kinder (siehe Gutachten von Inge Jakob: Pilotprogramm, Ende Mai bis Ende Juni, 1998 in Kassel) auf Spanisch und auf Deutsch. Das dynamische und effektive Erstlesen und -schreiben nach dem Gestalt-Dialektik-Ansatz soll eine Kunst ohne Grenzen werden. In diesem Alter beginnt man beim Schriftspracherwerb mit einer auf einer speziellen Mnemotechnik basierende Cartoon-Geschichte, die die Kinder dramatisieren sollen. Dann entstehen einige Sprechgesänge, die durch Körperbewegungen (Sprünge, Handbewegungen, usw.) rhythmisiert werden (mit oder ohne entsprechende Melodien, je nach der musikalischen Fähigkeit des Lehrers). Beispiel: "Dahlie" ist eine Comic-Figur der Geschichte für die deutsche Sprache; dann geht es darum, einen Sprechgesang entstehen zu lassen, in dem auch die entsprechenden Silben betont werden können. Man kann auch den entsprechenden Rhythmus auch melodisch betonen:

 

Dahlie, Dahlie, wo seid ihr hin
Dahlie, Dahlie da, da, da !!!


        Die Kriterien für die "mündliche Beherrschung" solcher Silben (von ba, ca., da . . . , usw. bis zag) erledigen die Kinder in ein paar Wochen (siehe Videoaufnahmen des Pilotprogramms in Kassel) je nach der Sprachentwicklung der einzelnen Kinder. Innerhalb von nur vier oder fünf Wochen sind die Kinder in der Lage, einfache Wörter ("Anna, Oma, Opa"; usw.) zu schreiben (siehe Videoaufnahme: "Key-Word-Approach" der Gestalt-Dialektik) und selbst zu lesen. Darum ist neben der "mündlichen Beherrschung" einer Silbentabelle die schriftliche Einführung derselben und damit auch eine parallele Berücksichtigung der Vokale notwendig, damit die Kinder befähigt werden können, solche einfachen Wörter zu schreiben und wieder zu lesen.

        Nach einem Gutachten von Tobias Maxwell, einem Schulpsychologen in Los Angeles, waren die narrativen Fähigkeiten der Kinder faszinierend, die er in der Videoaufnahme aus dem Pilotprogramm von nur fünf Wochen Ende Mai 1998 in Kassel beobachtete:

 

From a clinical perspective, I was impressed by the Gestalt experience I observed in the small group of students being filmed. The ability to transcend___ for lack of a better word, and express the entire base schema in the story-telling mode was fascinating. I am looking forward to reading more about the theories behind the application of Mr. Vieyra's ideas.

Tobias Maxwell, July 11, 1998*
 

        Die "Gestalt-Erfahrung" ("Gestalt experience", was ich als der mnemotechnische Effekt der Cartoon-Geschichte beschreiben würde) war seiner Meinung nach also faszinierend. Nach einem Gutachten am 9.11.1998 von Inge Jakob, Erzieherin im Montessori-Kinderhaus in Kassel, wurde der hervorragende Erfolg des Pilotprogramms wie folgt beschrieben:

 
Das, was uns Herr Vieyra in den fünf Wochen bei uns im Kindergarten mit seiner Methode des Lesen- und Schreibenlernens aufzeigte, ergänzt sich sehr schön mit der Maria-Montessori-Methode und mit ihrer Philosophie. Die Kinder fühlten sich wohl, waren begeistert, glücklich und wollten weiter und weiter lernen:
  1. Drama (Theater)
  2. Bewegung
  3. Kreativität
  4. Silbenlernen
  5. Wortfindungen
  6. Schreiben von kleinen Sätze und Wiedergabe
  7. Indirektes Lernen der Zahlen 1-20
  8. Das Empfinden von Zeit
  9. usw.
Das alles wurde in den fünf Wochen geschafft.
 
Ich wünsche Herrn Vieyra weiterhin viel Erfolg für seine Arbeit und bin dankbar für die gemeinsame Zeit, in der wir die Kinder unseres Kinderhauses begleiten dürfen.
 
Mit freundlichen Grüßen,
 
(Unterschrift)
 
Inge Jakob Erzieherin im Montessori-Kinderhaus
 
(Um das ganze Gutachten zu lesen, siehe "Gutachten über die Vieyra-Lese- und Schreibmethode")
 

        Die Cartoon-Geschichte dieser sogenannten "Vieyra-Methode" war mnemotechnisch so arrangiert, dass den Kindern die Ereignisse und besonders die Namen der Cartoon-Figuren leicht auffallen würden. Das Ziel besteht also darin, die Sequenz der Geschichte vollkommen auswendig zu lernen und entsprechend zu dramatisieren und das schaffen die Kinder auch, wenn sie über eine normale Sprachentwicklung verfügen. Sonst werden die Kinder Probleme mit der Sequenz haben, und entsprechend werden sie auch die Namen der Cartoon-Figuren vergessen.

        Das Auswendiglernen der Geschichten mit 22 Cartoon-Bildern fördert nicht nur bestimmte Kognitionsebenen, sondern auch die Sprachentwicklung. Wenn einige Kinder aber Probleme haben, innerhalb von einer Woche die Geschichte auswendig zu lernen und zu dramatisieren, dann soll der Schriftspracherwerbsprozess der Methode (in Bezug auf solche schwachen Kinder) sich nicht an der Silbenentzifferung orientieren ("ba, ca, da"....bis zum "za"), wie man in der Videoaufnahme beobachten kann (Übungen der Cartoon-Geschichte), sondern an anderen prophylaktischen Maßnahmen. Für solche schwachen Kinder wird nach dem Gestalt-Dialektik-Ansatz ein auf Poetik und Musik basierendes Sprachkontinuum entwickelt. Wer an das sogenannte poetisch-musikalische Kontinuum der Gestalt-Dialektik auf Spanisch, Englisch oder Deutsch Interesse hat, sollte sich bei www.gestaltdialektik.com anmelden.


* 1998 war Tobias Maxwell, M.S., M.F.C.C. (Lic. # M.F.C. 31498) der Schulpsychologe in der Schule "92nd Elementary Street School" (Los Angeles Unified School District).

Literatur

Montessori, M. (1992). Das kreative Kind ["The creative child"]. Freiburg im Breisgau: Verlag Herder (ISBN 3-451-16277-6)
 
Scheerer-Neumann, G. (1996). Hörst du das [r] in >>Koffer<<?
Grundschulunterricht, 43, (5), 2-5.
 
Vygotsky, L.S. (1978). Mind in society: The development of higher psychological processes. Cambridge, Massachusetts (USA): Harvard University Press. (ISBN 0-674-57629-2)
 
Vygotsky, L.S. (1999). Thought and Language. Cambridge, Massachusetts: Harvard University Press.
 
Vygotskij, L. S. (2002). Denken und Sprechen (Though and Language). Weinheim und Basel: Beltz Verlag GmbH
 

 


 

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